ADS im Erwachsenenalter

Hyperaktivitätsstörung bei Erwachsenen 


In den letzten 10 Jahren hat das Interesse an den Hyperaktivitätsstörungen (ADS) stark zugenommen. Es gibt inzwischen zahlreiche Belege dafür, dass es sich bei ADS nicht ausschließlich um eine Erkrankung von Kindern und Jugendlichen handelt, sondern dass ADS oftmals bis in das Erwachsenenalter bestehen bleibt und dass es sich hier um ein eigenständiges Krankheitsbild handelt. Trotzdem gibt es immer noch viel Unkenntnis bezüglich dieser Störung. 

Ursachen der ADS

Ein organischer Ursprung wurde schon früh vermutet. Schwangerschafts- und Geburtskomplikationen wie auch Überempfindlichkeit auf Nahrungsstoffe bei Kindern - ebenso wie ungünstige Umweltbedingungen -  haben sich als Ursache für ADS nicht bestätigt. Man hat in den letzten Jahren herausgefunden, dass in erster Linie Störungen im Gehirnstoffwechsel (Dopaminstoffwechsel) ursächlich verantwortlich sind. Genetische Untersuchungen belegen zudem immer deutlicher, dass bei der ADS in den meisten Fällen auch eine erbliche Komponente besteht. 

Symptome der ADS im Erwachsenenalter

Nicht alle Erwachsenen mit ADS entwickeln Probleme oder benötigen Hilfe. Finden sie eine Nische mit einer abwechslungsreichen Tätigkeit oder ein förderliches soziales Umfeld, so sind sie oft hoch motiviert, kreativ, engagiert und leistungsfähig. Gelingt dies nicht oder sind die Sozialisationsbedingungen ungünstig, so können erhebliche Beeinträchtigungen im persönlichen wie beruflichen Bereich entstehen. Das Erscheinungsbild ist individuell ausgeprägt, es bestehen: 

·        Aufmerksamkeits- /Konzentrationsstörungen

·        Motorische Störungen

·        Mangelhafte Impulskontrolle

·        Desorganisation

·        Probleme im sozialen Umfeld

·        Schwierigkeiten in persönlichen Beziehungen

·        Emotionale Störungen und

·        Stress-Intoleranz 

Aufmerksamkeitsstörung bei ADS 

Beispiele hierfür sind die Unfähigkeit, sich an gerade erst vollzogene Handlungen zu erinnern. Typisch für Betroffene ist häufiges Liegenlassen von Gegenständen, von Schlüssel (wo habe ich meinem Schlüssel abgelegt?), Taschen oder Kleidungsstücken sowie das Vergessen der Ausführung von Aufträgen. Ebenso die  Unfähigkeit, schriftliche Aufgaben so lange zu lesen, bis die Arbeitsanweisung verstanden ist. Wichtiges und Unwichtiges werden bei der Planung von Arbeitsabläufen nicht beachtet. Betroffene mit ADS erfassen Aufgabenstellung nur unvollständig und fühlen sich schnell von zu erledigenden Arbeit überfordert, weil keine Gliederung der Arbeit vorgenommen werden kann. Zudem verhindert häufiger Stimmungswechsel eine konstante Arbeitsleistung. Es besteht eine hohe Ablenkbarkeit durch schlecht steuerbare Konzentration auf die Gesprächs- oder Arbeitssituation. 

Störung der motorischen Aktivität bei ADS

Betroffene mit ADS fühlen sich unwohl, wenn sie längere Zeit ruhig sitzen bleiben müssen. Erzwungene körperliche Ruhe bzw. im Restaurant, Theater oder Kinobesuch können schlecht ertragen werden und führen zu großer innerer Anspannung. Hektisches Rennen vermittelt ein Gefühl von Lebendigkeit, deshalb auch der Versuch, ständig mehrere Arbeiten gleichzeitig zu bewältigen, das Hasten von Arbeit zu Arbeit entlastet. Generell bestehen Probleme, sich zu entspannen. Typisch für Erwachsene sind auch ständig wiederholende Fußbewegungen als Wippen mit dem Fuß oder Trommeln mit den Fingern auf Tischplatten. Die andauernde innere Spannung äußert sich in Ungeduld gegenüber der Langsamkeit anderer. Betroffene Mütter mit ADS leiden unter der langsamen Auffassungsgabe ihrer Kinder bei den Hausaufgaben. Schlange stehen oder Stau beim Auto fahren machen schnell aggressiv. Bei fehlender Hypermotorik können manche Betroffene jedoch auch ausgesprochen langsam und bewegungsträge  sein. 

Desorganisation bei ADS

Unordnung und chaotische Organisation im beruflichen wie privaten Bereich sind typische Symptome der ADS beim Erwachsenen. Beispielhaft hierfür sind der Schreibtisch mit mehreren Lagen aufeinander getürmter Papiere und Bücher oder die chaotische Wohnung. Begonnene Arbeiten werden nicht zu Ende gebracht, ständig neue in Angriff genommen. Zum einen resultiert die fehlende Selbststrukturierung aus einer permanenten Ablenkbarkeit, die eine Konzentration auf eigene Bedürfnisse verhindert. Zum anderen aus der “gedanklichen Vermeidung”:  Die mit einer bestimmten Tätigkeit verbundenen Gedanken über die eigene Insuffizienz werden beiseite geschoben und Tätigkeiten auf einen späteren Zeitpunkt verschoben. Eventuell wird aktiv eine andere ablenkende Aufgabe begonnen. Zwingen die Umstände dazu, sich mit der vermiedenen Tätigkeit auseinander zu setzen, fehlt eine gute Vorbereitung oder es wird aus Versagensangst gar kein Versuch unternommen, die Aufgabe zu bewältigen. Enttäuschung, selbst abwertende Gedanken und die Bestätigung negativer Selbsterwartungen sind die Folge.

 

Probleme im sozialen und beruflichen Umfeld bei ADS

Die junge Mutter muss sich plötzlich vordringlich auf die Bedürfnisse ihres neugeborenen Kindes einstellen und ihren Alltag ganz neu organisieren. Der Student scheitert, da er damit überfordert ist, sich seinen Stundenplan zusammenzustellen und einzuhalten. Lerninhalte werden immer komplexer und vielschichtiger. Die Betroffenen brechen in der Folge die Berufsausbildungen oder das Studium ab. Fehlende Ausdauer und das Unvermögen, begonnene Arbeiten zu Ende zu bringen, führen zu Konflikten im Beruf und zu einem Gefühl der ständigen Überforderung. Die ADS - Betroffenen verzetteln sich und beschäftigen sich mit Nebensächlichkeiten. Vergesslichkeit und versäumte Terminabsprachen verstärken den Eindruck der mangelnden Strukturiertheit und belasten das Arbeitsverhältnis. Es kann zu häufigen Berufswechseln kommen, weil entweder die Arbeitgeber die Unzuverlässigkeit und Unstrukturiertheit der Betroffenen beanstanden oder die Arbeitsroutine zu Langeweile führt und neue interessantere Tätigkeiten gesucht werden. 

Impulsivität bei ADS

Nicht selten entstehen im zwischenmenschlichen Bereich emotionale Konflikte, da die  Beziehungsgestaltung der ADS - Betroffenen durch Impulsivität mit möglichem Kontrollverlust geprägt ist. In Gruppen neigen manche ADS - Patienten dazu, anderen ins Wort zu fallen, Themen und Arbeitsabläufe zu bestimmen und nicht zuhören zu können. Die ADS - Betroffenen fühlen sich wiederum von ihrem Umfeld unverstanden und ziehen sich zurück, Freundschaften und Beziehungen können so zerbrechen. 

Gestörtes Sozialverhalten bei ADS

Die Beeinträchtigung von Aufmerksamkeit und Konzentration kann zu erheblichen Spannungen innerhalb der persönlichen Beziehungen führen, da es den Betroffenen oftmals nicht möglich ist, ihren Partnern über längere Zeit konzentriert und ruhig zuzuhören bzw. sich in ihr Gegenüber  einzufühlen.

Emotionale Labilität bei ADS

Im Hinblick auf die Emotionalität, die durch häufige Stimmungsschwankungen gekennzeichnet ist, kommt es häufig zu relativ kurzen Phasen intensiver, dysphorischer Gefühle, die so genannten “Abwärtsspiralen”. Diese werden oft ausgelöst durch

·        das Gefühl der Hilflosigkeit (“ich kann das nicht”),

·        der Hoffnungslosigkeit (“ich versage immer, also erspare ich mir die Mühe”),

·        oder auf Affektintoleranz (“ich werde mich schlecht fühlen, wenn ich es versuche”),

und können meist nur durch starke Reize oder Ablenkung durchbrochen werden, wie z.B. Sport, soziale Interaktionen, Computerspiele  oder auch selbstschädigende  Verhaltensweisen wie Essstörungen (“Binge-eating”), Drogenkonsum oder ähnlichem. 

Stressintoleranz bei ADS

Insbesondere in Situationen, die mit einer hohen Stressbelastung einhergehen, kommt es  immer wieder zu impulsiven Ausbrüchen mit den hieraus folgenden negativen Konsequenzen im sozialen Umfeld. 

Was sind die Folgen?

Selbstwertproblematik

Bei ADS - Betroffenen ist die negative Selbsteinschätzung nahezu die Regel. Die mit der Anstrengung einher gehende Erschöpfung verknüpft sich in der Erinnerung und bleibt als verminderte Leistungsfähigkeit erhalten. Hieraus resultiert eine tiefgreifende Labilisierung des Selbstwertgefühls. 

ADS wird so zum Stolperstein für die schulische und berufliche Laufbahn. Die dabei erfahrenen Misserfolgserlebnisse ziehen Frustrationen und Selbstwertprobleme nach sich, die dann zum Auslöser oder aufrechterhaltenden Faktor von Depressionen oder Angststörungen o.a. werden können. 

ADS und begleitende seelische Störungen

Studien zu ADS im Erwachsenenalter ergaben eine deutlich höhere Häufigkeit von begleitenden Störungen bzw. Erkrankungen wie Depressionen, manisch-depressiven Störungen, und  Lernschwierigkeiten, Angststörungen, Borderline-Persönlichkeitsstörung, Abhängigkeitserkrankungen u.a.

Weiterführende Informationen zu ADS Diagnose und Therapie finden sie unter ADS-Therapie

Birgit Landgrebe

Animationen animierte Augen

Weitere Medizinische Informationen und Links für Patienten und Interessierte - von ADHS bis Zwangsstörungen finden Sie hier.

Zur Klärung weiterer medizinischer Fragen und Behandlungs- bzw. Therapiemöglichkeiten steht Ihnen unser Chefarzt im persönlichen Gespräch gerne zur Verfügung. Bitte vereinbaren Sie zuvor einen Termin in unserer Privatambulanz.

Sagen Sie uns ruhig mal Ihre Meinung!
Oder stellen Sie uns Ihre Fragen...
und klicken Sie hier...

Sie möchten diesen Artikel ausdrucken? Markieren Sie den gewünschten Text, gehen Sie in der Symbolleiste auf "Datei", dann auf "Drucken", danach "Markierung" anklicken und dann erst drucken, denn sonst verlieren Sie durch die nachfolgende Themenübersicht unnötiges Papier.

Aktualisiert: Juni 2010

Weitere Informationen zu Krankheiten finden Sie bei der Wicker-Gruppe unter www.informationen-zu-krankheiten.de. Info-Material zur Klinik anfordern: www.wicker-gruppe.de/infomaterial-anfordern.html

Weitere Fragen? Ihre Meinung?
Schicken Sie uns eine Email

gestalt@hwk2.de

Telefon: 0 56 26 - 88 17 57, Fax: 0 56 26 - 88 18 57

Hardtwaldklinik 2

Hardtstraße 32 · 34596 Bad Zwesten

Kostenfreies Service-Telefon: 0800 9146360

· Impressum · Anfahrt
Tiefenpsychologische Psychotherapie,
Integrative Gestalt- und Traumatherapie

Haftungshinweis:
Für die gemachten Angaben wird keine Gewähr übernommen; im Einzelfall ist immer ein Arzt zu konsultieren! Trotz sorgfältiger inhaltlicher Kontrolle übernehmen wir keine Haftung für die Inhalte externer Links. Für den Inhalt der verlinkten Seiten sind ausschließlich deren Betreiber verantwortlich.